Der Mensch als Thema 

Ein Mensch zu sein bedeutet, sich in dem Spannungsbereich zwischen Frau und Mann zu bewegen. 
In jedem von uns ist von beiden Geschlechtern etwas in den unterschiedlichsten Zusammensetzungen. Die Weiblichkeit im Mann heißt Anima, und die Männlichkeit in der Frau heißt Animus.1 Diese Tatsache spiegelt die Nähe und den gleichzeitigen Abstand der Menschen zueinander wieder. 
Diese verschiedenen Kombinationen existieren in der Psyche des Menschen genauso wie in seinem Körper, wenn auch nicht unbedingt von einander abhängig. 
Die Spannung in kleinen wie in großen Unterschieden sowie die gleichzeitige Nähe und Entfernung der Menschen zueinander sind mein Thema. 
1(Nach Elisabeth Badinter, Ich bin Du) 

Installation 

Das Thema wird in Form einer Installation umgesetzt. 
Installation wird hier als Gestaltung in und mit dem Raum verstanden, um die Assoziations-fähigkeit und Reflexionsbereitschaft des/der Betrachters/in unmittelbar anzusprechen. 
Durch gezielten Einsatz von Material und dessen Anordnung sowie der Visualisierungs-form soll das Thema dem/der Besucher/in nähergebracht werden. 
Außerdem ist der Einsatz des Lichtes von Bedeutung. 

Die Abbildungen sind als Paare in sieben „Installationseinheiten" in einem Halbkreis angeordnet, so daß der/die Betrachter/in im Mittelpunkt des Halbkreises alle acht „Installationspaare" in ihrer Überschneidung betrachten kann. Dieses wird durch die Wahl eines durchsichtigen Trägermaterials der Abbildungen des Innenkreises erreicht. 
Die Fotos sind in einem Abstand von 1,1 Meter angeordnet. 
Aus dem Mittelpunkt des Halbkreises heraus Überlappen sich somit die Abbildungen. Durch die perspektivische „Flucht" ergibt sich eine Größe der Fotos des Innenkreises von 60 x 80 cm, bei einer Größe der Abbildungen des Außenkreises von 75 x 100 cm. Der Abstand des Mittelpunktes zum Außenkreis beträgt 5 Meter. 
In der überschneidung der Fotos werden je nach „Installationseinheit" kleine Unterschiede bis aus der Perspektive resultierende extreme Unterschiede sowie Körperüberschneidungen sichtbar. Diese können Veränderungen bis hin zur Entstehung neuer, vorher unmöglicher Ansichten führen. 
Somit sind die Betrachter/innen fast gezwungen sich auch seitlich zu bewegen um die Entstehung nachvollziehen zu können. 
Die Wahl des Materials des Außenkreises besitzt eine hohe Reflektionsfähigkeit und ermöglicht damit erst die Symbiose der zwei Ebenen. Die im Außenkreis angeordneten Aluminiumplatten werden jeweils mit einer Lichtquelle von oben angestrahlt. 
Zusätzlich wird durch das Format der  hinteren Abbildungsträger, trotz der weiteren Entfernung zum Mittelpunkt der Betrachter/innen dazu animiert, sich ihnen 
zu nähern. 
So wird er/sie animiert sich auch zwischen die Ebenen zu begeben, und wird in diesem Fall Teil der Installation oder zumindest involviert. 
Hier kann er/sie auch die physischen Unterschiede der Materialien begutachten. 
Wobei er/sie seine/ihre Sensibilität, im bezug auf den körperlichen Kontakt, zu empfindlicheren Materialien nicht verlieren soll. 
Es wird von einer mittleren Größe des/der Betrachters/in ausgegangen, festgelegt bei 1,70 Meter. Da nicht alle Menschen diese Größe besitzen muß der Höhenunterschied durch leichtes Strecken oder Neigen  ausgeglichen werden. 
Diese Aktion ist somit die erste Animation für den/die Betrachter/in seinen/ihren Körper in Bewegung zu versetzen und weitere „Schritte" einzuleiten. 
Durch den Mittelpunkt, wie auch die Kombination der Aufnahmen von Körperpartien unterschiedlicher Menschen und die Zusammenführung der einzelnen Fotos, wird die Gesamtheit der Ausstellung untermauert. 

Objektträger 
Aluminium-Platten 

Für den äußeren Halbkreis meiner Installation benötige ich ein Material,  das eine Masse besitzt, die mit bloßem Auge erkennbar ist.  Außerdem muß sie eine hohe Reflektionsfähigkeit besitzen und eine  ambivalente Haltung zu dem Material des Innenkreises einnehmen.  Ich habe mich für Aluminium entschieden. Aluminium besitzt alle diese Fähigkeiten und hat auch noch ein niedrigeres Gewicht als andere Metalle, so daß der Installations-  aufbau erleichtert wird.  Die Platten zeigen Schwarzweiß-Abbildungen, die monochrom Schwarz auf dem silberfarbenen Untergrund des Aluminiums erscheinen. 
Die Aluminiumplatten haben eine Größe 
von 100 x 75 cm. 

Folien 

Für den inneren Halbkreis benutze ich Folien. Sie haben Eigenschaften die im Gegensatz zu den Aluminiumplatten stehen.  Sie sind durchsichtig und haben eine  geringe Masse. 
Auf den Folien sind die Abbildungen farbig abgedruckt, so stehen sie wieder in ambivalenz und Spannung zu den Aluminiumplatten, da diese Schwarzsilberabbildungen zeigen. 
Durch ihre glatte Oberfläche ist auch noch bei der Begehung zwischen den beiden Ebenen die Spiegelung des/der Besuchers/in auf der Rückseite der Folien gegeben. Die Folien haben eine Größe von 60 x 80 cm. 

Ziel 

Der Mensch er ist vielfältig, er hat Eigenschaften, einen Körper, eine Psyche, er stellt fast unter Zwang seine Individualität fortwährend zur Schau. 
Es scheint so als trennen uns diese Aspekte voneinander. Doch sind diese letztlich die Gründe die unser Zusammenleben spannend und liebenswert machen. 
Gerade heute, in einer Zeit, in der nicht nur geographische Grenzen ins Schwanken kommen, sondern auch die unseren, hat es oft den Anschein, als gingen wir unsicher, sensibel und fast ängstlich mit dem, was uns unterscheidet um. 
Die in meinen Fotos festgehaltenen vielen kleinen wie großen Unterschiede, in Form und auch Perspektive, zeigen die individuelle Faszination der Kombination. 
Jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit und doch ist gerade die Persönlichkeit das, was alle Menschen miteinander verbindet. 

In der Ausstellung möchte ich diese auf dem ersten Blick widersprüchlichen Aspekte in Spannung und Beziehung zueinander setzen und sie wirken lassen. 
So wird der/die Besucher/in vor die Synthese der Unterschiede „gestellt", die sich durch seine Bewegung und Sichtweise verändern können. 

Die Installation soll das Thema Mensch sowohl in seiner Ambivalenz, als auch im Dualismus der Geschlechter visualisieren.  Es ist nicht Ziel der Ausstellung Antworten
zu finden, sondern sie soll die Assoziationsfähigkeit der Besucher/innen anregen.