Dialoge: Konzept für eine Fotoskulptur
Religiöse oder kulturelle Unterschiede liegen vielen Kriegen der Vergangenheit und der Gegenwart zu Grunde. Ob es die Kreuzzüge der Ritter waren, die Verfolgung der Juden im dritten Reich, der Kosovo Krieg oder das Feindbild der Moslime in Tschetschenien, Religion wird immer wieder dazu mißbraucht, um Kriege zu führen oder Gewalt zu schüren. Die scheinbaren Unterschiede der Religionen werden zum Feindbild stilisiert und für Macht und Krieg manipuliert.
Doch mehr als Grund für den Krieg sehe ich in den Unterschieden der Religionen das Potential für einen Dialog, denn bei allen Unterschieden ist die Quelle, aus der die Religion entspringt, immer dieselbe: der Mensch und dessen Glaube. Mit der von mir konzipierten Installation möchte meinen Vertrauen zum Ausdruck bringen, daß die Menschen verschiedener Glaubensrichtungen in der Hingabe an ihre Religion gar nicht so unterschiedlich sind, daß die Religionen friedlich koexistieren und in einem Dialog, der alle bereichert, zueinander stehen können.
So nahm ich mir vor, für meine Fotoskulpturen die unterschiedlichsten Menschen, die aus dieser inneren Quelle schöpfen, zu dokumentieren, und fotografierte in den letzten 2 ½ Jahren in Kirchen, Synagogen, Moscheen, während hinduistischer Rituale und in buddhistischen Tempeln. Das Foto erfüllt hier durch seinen Realismus eine doppelte Funktion: auf der einen Seite sieht man ganz klar die kulturellen Unterschiede, die sich in Kleidung, Umgebung und den Situationen manifestieren, auf der andern Seite strahlen die Menschen in ihrer Meditation ein Lebensgefühl aus, das Reflexion in allen Kulturen findet.
Um die Individualität der fünf Religionen, die ich fotografierte, darzustellen, möchte ich die Bilder in Fotoskulpturen zusammenfassen. Eine jede dieser Skulpturen soll eine Säule in der Form eines Pentagons von ca. 190 cm Höhe und einer Breite von ca. 50 cm pro Seite sein. Die Fotoskulpturen würden aus milchigen Plexiglas bestehen, das von innen beleuchtet wird. Das weiße Licht im Inneren symbolisiert das Unfaßbare einer jeden Religion. Am oberen Ende des Pentagons durchflutet das Licht Dia-Folien, die auf Sichthöhe auf jeder der fünf Seiten angebracht sind. So manifestiert sich der abstrakte Glaube in konkreten Bildern, die durch das Licht im Inneren zum Strahlen gebracht werden. Eine weitere Ebene soll durch charakteristische Ton Samples der Religionen entstehen, die automatisch erklingen, wenn ein Besucher an eine der Säulen herantritt. Wenn ein Besucher die Fotoskulptur des Islams betrachtet, ertönt aus ihrem Inneren der Aufruf zum Gebet in der Moschee. Wenn nun zur selben Zeit ein anderer Besucher der Säule des Judentums näher tritt, erklingt der Gesang des Rabbiners. So lassen Islam, Judentum und die Besucher, einen neuen Klang im Raum entstehen, der individuell nicht möglich gewesenen wäre. Diese Tonkulisse schlägt die Brücke von der Individualität zum Dialog.
Eine weitere Möglichkeit zum Dialog entsteht durch die räumliche Anordnung der fünf Fotoskulpturen, der auch ein Pentagon zu Grunde liegt. So sollen die Säulen in einem geometrisch gleichberechtigten und durch die Symmetrie angespannten, engagierten und dynamischen Dialog zueinander stehen. Das Pentagon und die Zahl fünf symbolisieren den Menschen. In der Mitte dieses Kreuzaustausches befindet sich der Besucher, der dazu eingeladen ist, die imaginären Zusammenhänge der Installation zu erspüren und sich auf einen Dialog mit den Religionen einzulassen.
Als Ausstellungsort für "Dialoge" ist ein Museum besonders geeignet, denn der Kontext des Museums ist ähnlich dem eines Tempels: auch hier kann der Besucher Ruhe, Besinnlichkeit und Reflexion finden.
Doch gibt es auch einen entscheidenden Unterschied zwischen dem religiösen Tempel und dem Museum. Das Museum gehört nicht einem bestimmten Glauben an, in seiner Neutralität bietet es Platz für die unterschiedlichsten Inhalte und Aussageformen. Würde ich diese Installation beispielsweise in einer Kirche präsentieren, wäre die Bedeutung des Gebäudes so dominant, daß die anderen Religionen nicht mehr gleichberechtigt wären.







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